Druckerei und Verlag

Verlagsprogramm

Christina Ortland, Klaus Röskens:
Handbuch Anti-Aggressivitäts-Training AAT®
Didaktik und Methodik der konfrontativen Pädagogik des Düsseldorfer Anti-Gewalt-Trainings

1. Auflage 2017, © 2017 C. Ortland, K. Röskens
Kt., 264 Seiten, ISBN 978-3-932246-60-9
Preis: 24,90 € inkl. Versandkosten

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Über das Buch:

In der Literatur finden sich zahlreiche Informationen und Wissenswertes über das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT®), zur Theorie der konfrontativen Pädagogik und der Arbeit mit gewaltbereiten Menschen. Während unserer Anfänge fehlte uns eine Praxishilfe zur zweckmäßigen Umsetzung und Gestaltung von Seminareinheiten. Das 10-jährige Bestehen des Düsseldorfer Antigewaltprojekts ist Anlass das Trainingsangebot in seine curricularen Bestandteile aufgeschlüsselt und in seiner praktischen Realisierung detailgetreu zu beschreiben.

Dieses Handbuch entstand aus der Praxis und ist für die Praxis geschrieben.

Christina Ortland, Klaus Röskens


Inhalt:


Vorwort:

Ende 2016 stößt in einem Berliner U-Bahnhof ein Jugendlicher eine Frau durch eine brutale Trittattacke eine Treppe hinunter. Aufgrund derartiger medienwirksamer Fälle wird über Gewaltstraftaten in der Öffentlichkeit intensiv berichtet und diskutiert. In TV-Talkrunden äußern sich Politiker, Juristen, Wissenschaftler. Sie erörtern Ursachen, Hintergründe und Lösungen. Teile der Öffentlichkeit fordern härtere Freiheitsstrafen, die Täter gehören weggesperrt. Es besteht das verständliche Bedürfnis nach einer gerechten Strafe und wirksa-mer Prävention als Antwort auf diese Brutalität. Auf der anderen Seite kommen Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass es solche Ge-waltstraftaten zu allen Zeiten gab und deren Häufigkeit in der Sum-me keinesfalls signifikant angestiegen ist. Politik kann mit Investitio-nen in soziale Behandlungskonzepte für erwachsene Straftäter kaum werben, da es in der Gesellschaft nur eine überschaubare Lobby für Straffällige und auch wenig Verständnis für die Effizienz solcher Programme gibt.

Wir sind der Überzeugung, einzig ein längerer Freiheitsentzug wird brutale Gewalttaten dauerhaft nicht verhindern. Härtere Strafen sind aus unserer Sicht allein kein geeigneter präventiver Lösungsweg. Härtere Strafnormen dienen in erster Linie nicht der Gewaltprävention, sondern vornehmlich einer Befriedigung des gesellschaftlichen Verlangens nach "Gerechtigkeit".

Als Pädagogen stellen wir uns die Frage, ab welchem Moment ein Mensch ein hoffnungsloser unkontrollierbarer Fall ist, dem mit pädagogischen Mitteln nicht (mehr) zu helfen ist und dem im Sinne des gesellschaftlichen Schutzes keine Freiheit zusteht?

Ist es beispielsweise Max, der als fünfjähriges Kind auf seinen Teddy einschlägt? Sein älterer Bruder hatte, wegen einer Backpfeife seines Vaters, vor lauter Wut die von ihm in vielen Tagen zuvor aufgebaute Legoritterburg mit einem Tritt zerstört.

Oder ist es Max mit zehn Jahren, der morgens geweckt wird mit den Worten seiner Mutter: "Du kommst zu spät zur Schule, du Faulpelz. Du wirst es niemals lernen pünktlich aufzustehen."

Der zwölfjährige Schüler Max, der seine Hausaufgaben nicht gemacht hat und wieder einmal zu hören bekommt "Ist ja wieder typisch! Aus Dir wird nie etwas!" Max traute sich am Vortag nicht in die Küche, um seinen Rucksack zu holen, da Papa Mama wieder anschrie und schlug.

Ist gesellschaftliche Hoffnung auf normgerechte Sozialisierung vorbei, wenn unser strafmündiger Max mit vierzehn von seiner Schule suspendiert wird? Er war an Schulhofschlägereien beteiligt.

Ist Max ab sechzehn ein hoffnungsloser Fall, als er vor dem Jugendrichter steht und seinen ersten Dauerarrest verbüßt? Die angebotenen Hilfsmaßnahmen von verschiedenen Behörden und Einrichtungen wurden, aufgrund mangelnder Mitarbeit von Max, eingestellt...

Nach fünf weiteren Jahren, nachdem Max mehrere brutale Körperverletzungen begangen hat und für sich keine Perspektiven sieht, wird seine erste Freiheitsstrafe vollstreckt. Seine Freunde und Familie kommen ihn in der Justizvollzugsanstalt nicht besuchen.

Das Beispiel zeigt, wie ein Opfer, das von seinem sozialen Umfeld, zu wenig geschützt wurde, zum Täter werden kann. Und es zeigt, wie wichtig es ist, vernachlässigte und/oder missbrauchte Kinder so früh wie möglich zu erkennen und ihnen zu helfen.

Wenn wir eine brutale Gewalttat isoliert betrachten, erfüllen uns Tat und Täter mit Wut, Trauer und Unverständnis. Wir fühlen uns ohnmächtig und hilflos. Wir können nicht nachvollziehen, warum jemand so handelt. Lenken wir unseren Blick auf die Entwicklung des Menschen vom Kind hin zum Gewaltstraftäter, können wir versuchen zu verstehen: Ein Mensch wird nicht als Gewaltstraftäter geboren! Ein Mensch ist auch nicht ausschließlich schlecht und böse. Ebenso wenig wie ein Mensch ausschließlich nur freundlich und gütig ist. Wir gehen von einem positiven Menschenbild aus. Ein Mensch hat Ressourcen, die es zu entdecken und zu entfalten gilt. Menschen sind in der Lage, sich und in der Folge ihr Verhalten zu begreifen, zu reflektieren und zu verändern. Damit die Methoden des Anti-Aggressivitäts-Trainings(AAT®) greifen, müssen wir den Menschen kennen lernen und verstehen wollen. Verstehen heißt in diesem Kontext sehr deutlich, nicht einverstanden zu sein mit dem, was der Täter angerichtet hat. Das AAT® ist die Chance einer Veränderung. Diese pädagogische Haltung bildet die Voraussetzung und Basis unserer erfolgreichen Zusammenarbeit. Basis einer Zusammenarbeit, welche die Klientel zu einem straffreien Leben befähigen kann.

Die Behandlung der Aggressivitätsproblematik des Täters sollte im Mittelpunkt gesellschaftlicher Lösungsansätze stehen. Investitionen in soziale Behandlungskonzepte stellen im Bereich jugendlicher und erwachsener Gewaltstraftäter eine Erfolg versprechende Komponente zur Prävention zukünftiger Gewalteskalation dar. Wenn der Täter seine Haltung zur Gewalt verändert, wird er künftig nicht mehr zuschlagen.

Fazit: Täterarbeit ist Opferschutz!


Autoren:

Christina Ortland

Nach der Ausbildung zur Erzieherin an der Fachschule St. Franziskus in Lingen studierte sie Soziale Arbeit (B.A.) an der Hochschule Osnabrück. Im Anschluss absolvierte sie ihr Berufsanerkennungsjahr an der Deutschen Schule in Madrid. Seit 2012 ist sie beim ambulanten Sozialen Dienst der Justiz beim Landgericht Düsseldorf tätig und qualifizierte sich berufsbegleitend zur Anti-Aggressivitäts-Trainerin (AAT®) / Coolness-Trainerin (CT®).

Klaus Röskens

Dipl. Sozialpädagoge, Schuldnerberater, Anti-Aggressivitäts-Trainer (AAT®): Er arbeitet in Düsseldorf als Bewährungshelfer. Sein Schwerpunkt ist neben der Arbeit mit straffällig gewordenen Menschen die Konzeption und Entwicklung spezieller Trainings für gewaltbereite Jugendliche und Erwachsene. Er veröffentlichte 2011 in dem Standardwerk "Handbuch Konfrontative Pädagogik" einen Artikel zum Heißen Stuhl. Privat engagiert er sich in der Flüchtlingshilfe und treibt Marathonsport.